Sightseeing in Retz:
Die imposante Stadtmauer ist vielerorts noch eindrücklich gut erhalten. Sie ist steinerner Zeuge einer Jahrhunderte alten Geschichte. Die historischen Stadttore, das Znaimer Tor und das Nalber Tor, stammen im Kern aus der Zeit der Stadtgründung um 1300 und bildeten einst die Befestigung der Stadt.
Am Retzer Hauptplatz findet man neben wunderschönen barocken Bürgerhäusern das Verderberhaus. Auf dem Hauptplatz der Stadt befindliches, spätgotisches, dreiteiliges Bürgerhaus mit Renaissancefassade im Stil eines venezianischen Palazzos. Es dominiert optisch die Nordfront des Hauptplatzes von Retz. Das Gebäude ist dreigeschossig mit Speichergeschoss. Es wird auf dem Dach von zwei Sorten Zinnen, eine davon Schwalbenschwanzzinnen, bekrönt. Die einheitliche Fassade ist schlicht gegliedert mit einem genuteten Erdgeschoss, Kordonbändern und profilierten Fenstersohlbänken beziehungsweise Fensterverdachungen. Der mittlere Teil des Gebäudes ist leicht zurückversetzt. Eine architektonische Besonderheit ist der riesige, spitzbogige Torbogen, Schwibbogen genannt, im Erdgeschoss vom Mittelteil des Gebäudes. Er markiert dort den Beginn der Znaimerstraße. Das Verderberhaus war nie ein Stadttor. Alle drei Bauten stehen auf dem mittelalterlichen Handelsweg „Rittsteig“, der von Krems kommend nach Znaim führte.
Der Rathausturm am Hauptplatz als stiller Wächter über die Stadt bietet einen Rundumblick
über Dächer und Weingärten bis hin zur Windmühle – ein Panorama, das Retz von seiner schönsten Seite.128 Stufen führen hinauf zur Aussichtsplattform in 30 m Höhe.
Das Rathaus von Retz in Niederösterreich ist ein historisches Gebäude mit faszinierender Geschichte. Ursprünglich eine gotische Kapelle, litt der Bau unter finanziellen Schwierigkeiten und wurde später als Kombination aus Rathaus und Kapelle fertiggestellt. Im Laufe der Jahrhunderte erfuhr das Rathaus zahlreiche Veränderungen, von Renaissance- und Barockelementen bis hin zu Umbauten im 18. Jahrhundert, die auch die Rathauskapelle betrafen. Die erste sichere Nachricht über die Marienkapelle - jetzt Rathauskapelle - auf dem Retzer Hauptplatz stammt von einer Urkunde vom 2.5.1367, wo "Unser vrawen Kappeln ze Recz" genannt wird. Sie war damals Filialkirche der Urpfarre Unter-Nalb für die nach 1278 entstehende Stadt Retz. 1566 schien die baulich verfallene Kapelle nicht mehr im Besitz der Pfarre gewesen zu sein, da in diesem Jahr die Gemeinde den Auf- und Ausbau des Gotteshauses zum Rathaus beschloss. Dieser Umbau erfolgte 1568/69 derart, dass man in halber Höhe der gotischen Außenmauern ein Gewölbe einzog. Der Sakralraum wurde der Länge und der Breite nach nicht verändert, der Höhe nach halbiert, so wurde in der oberen Hälfte Platz für Bürgersaal und Sitzungsräume geschaffen.
Von Johannes Tobias Bergmann 1853 erbaut, wurde die, als eine der letzten betriebsfähigen voll eingerichteten Windmühlen Österreichs, nach Jahrzehnten einträglicher Mahlarbeit, 1924 stillgelegt. Von niederländischen Windmühlenbauern restauriert, dreht und mahlt sie heute wieder, das Wahrzeichen der Stadt Retz. Wenn sich ihre Flügel im Wind drehen, spürt man die Kraft des Handwerks, das einst den Rhythmus des Alltags bestimmte. Die Windmühle ist ein technisches Denkmal von großem kulturhistorischem Wert, ein einzigartiges Erlebnis längst vergangener Technik, erlebbar in atemberaubender Ästhetik.
Ein weit verzweigtes Labyrinth unter der Oberfläche, drei Geschosse tief in Sand gegraben: unterirdischer Raum für Mythen, Abenteuer und Geschichten.
Der berühmte Retzer Erlebniskeller ist ein einzigartiges, Jahrhunderte altes Bauwerk, ein fantastisches Labyrinth aus Röhren und Stollen, mit 21 km Gesamtlänge unter dem Stadtkern und ist somit länger als das Straßennetz oberirdisch. Der Retzer Erlebniskeller ist Österreichs größter historischer Weinkeller. Die Keller sind bis zu 20 Meter tief in bloßen Meeressand gegraben und teilweise dreigeschoßig angelegt. Seit Gründung der Stadt anno 1279 „begraben“ die Retzer BürgerInnen in der meterdicken Schicht aus Meeressand ihren kostbarsten Schatz – den Retzer Wein.
Schon seit dem 13. Jahrhundert lagerten die RetzerInnen hier ihren Wein – Generation für Generation. Manche der Keller reichen über drei Geschoße in die kühle Stille hinab, wo konstant 10 bis 12 Grad herrschen. Während einer Kellerführung durch den Retzer Erlebniskeller spaziert man durch endlose Gänge, erfährt von Mythen, Geschichten und verborgenen Schätzen. Einer dieser Schätze ist eine Flasche des berühmten Katzensprung, dem bekanntesten der Staatsvertragsweine aus 1954. Ihn bei einer Kellerführung in Retz nicht zu bestaunen, wäre wie im Louvre an der Mona Lisa vorbeizugehen.
Die Kellergassen sind eine kulturhistorische Besonderheit, die das Landschaftsbild des Weinviertels seit Jahrhunderten prägt. In früheren Zeiten Lagerort des Weins, Begegnungszentrum der Winzer und Geburtsstätte alten Brauchtums. Heute wildromantische Gassen mit großer Geschichte, lange Zeilen weiß gekalkter Presshäuser, hinter deren „Kellerhälsen“ die Weite der Weingärten beginnt.
Die Weinstadt Retz ist Mitgliedsgemeinde der "Weinstraße Weinviertel", wo sich auf insgesamt 132 erlebnisreichen Kilometern eine der größten Weinlandschaften Österreichs erschließt.